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Ist ein Bausparvertrag für Selbstständige sinnvoll?

Das Wesentliche zusammengefasst

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Ein Bausparvertrag für Selbstständige macht keine Sinn.

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Ist ein Bausparvertrag für Selbstständige sinnvoll? Ein Bausparvertrag besteht grundsätzlich aus drei Phasen: der Ansparphase, der Zuteilungsphase und der Darlehensphase. Die Ansparphase ist die Zeit, in welcher der Bausparkunde in den Bausparvertrag einzahlen muss. Während dieser Phase bekommt der Kunde einen vor Abschluss festgelegten niedrigen Zins auf das eingezahlte Kapital. In der Zuteilungsphase kann der Bausparer entscheiden, ob das angestrebte Darlehen in Anspruch genommen wird oder nicht, bzw. wann das Darlehen in Anspruch genommen wird. Während der Darlehensphase wird das Darlehen ausbezahlt. Der Kunde zahlt einen vor Abschluss festgelegten Tilgungszins für das Darlehen.

Die wichtigste Kennzahl des Vertrages ist die Bausparsumme, die sich aus dem oben genannten Sparteil und dem Darlehensteil zusammensetzt. Die Sparer zahlen oft 50% der vereinbarten Bausparsumme ein. Wenn man zum Beispiel einen Bausparvertrag von 100.000 € hat, muss man 50.000 € selbst einbezahlen und bekommt dann ein Darlehen von 50.000 € von der Bausparkasse.

Ansparphase

Sobald ein Bausparvertrag abgeschlossen wurde, beginnt die Sparphase. D.h. der Bausparer muss in den Vertrag einzahlen, bis er die vorab geregelte Mindestsparsumme erreicht hat. Auf die Sparrate gibt es einen vorher festgesetzten Zins. Hierbei muss man erwähnen, dass jeder Bausparvertrag erst einmal im Negativbereich beginnt, da die sehr hohenAbschlussgebührenvom Sparbeitrag abgezogen werden.

Zuteilungsphase

In dieser Phase ist der Bausparvertrag zuteilungsreif. D.h. die nötigen Einzahlungen sind alle vom Bausparer geleistet worden und der Vertrag hat seine Mindestlaufzeit erfüllt. Diese Mindestlaufzeiten sind von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich.

Der Kunde kann dann entscheiden, ob er das Darlehen von der Bausparkasse annimmt oder dieses vertagt, also erst an einem späteren Zeitpunkt in Anspruch nimmt. Man kann den Bausparvertrag auch auflösen und das angesparte Geld zurückverlangen. In so einem Fall verfällt der Anspruch auf das Darlehen für immer.

Darlehensphase

Wenn das bestimmte Mindestguthaben angespart ist, erhalten die Bausparer die Bausparsumme ausgezahlt, die sich aus ihrem Guthaben und einem zusätzlichen Darlehen zusammensetzt. In der Darlehensphase wird diese Darlehen vom Bausparer zurückgezahlt.

Bis zum Jahr 2016 musste man bei bestimmten Bausparkassen eine Darlehensgebühr zahlen, also eine Gebühr für die Auszahlung des Bausparlehens. Der Bundesgerichtshof erklärte diese Gebühr aber im Jahr 2016 als verfassungswidrig.

Das Darlehen von einer Bausparkasse darf man nur für wohnwirtschaftliche Zwecke nutzen. Außer man war bei Vertragsabschlussunter 25 Jahre alt.

Was sind wohnwirtschaftliche Zwecke beim Bausparen?

Das Darlehen eines Bausparvertrages wird nur auf das Konto des Bausparers überwiesen, wenn dieser Kredit für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet wird. D.h. Das Geld muss für Zwecke verwendet werden, welche in Bezug zu Immobilien stehen.

Wohnwirtschaftliche Zwecke
Kauf einer Immobilie oder Wohnung
Tilgung von Immobilienkrediten
Kauf von Inneneinrichtung
Renovierung von Immobilien

Während der Darlehensphase muss der Bausparkunde das Darlehen tilgen. Der Zinssatz wird vor Abschluss des Bausparvertrages vereinbart, genauso wie der Zins in der Ansparphase.

Abschlussgebühren von Bausparverträgen

Ist ein Bausparvertrag für Selbstständige sinnvoll? Die Abschlussgebühren bei Bausparverträge ist sehr hoch und ist sehr ähnlich bei allen Anbietern. Diese liegt in der Regel bei 1 % der Bausparsumme. Wenn man also einen Bausparvertrag abschließt mit einer Bausparsumme von 100.000 €, erhält der Vertreter der Bausparkasse 1.000 € Provision. Diese Abschlussprovisionen werden am Anfang des Bausparvertrages automatisch vom Sparbeitrag des Kunden abgezogen.

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Die Abschlussgebühren bei Bausparverträge sind viel zu hoch.

Die hohen Abschlussgebühren in Kombination mit der schlechten Verzinsung der Bausparverträge unterhalb derInflation,führt in vielen Fällen dazu, dass der Bausparer nach 15 Jahren nicht einmal die einzahlten Beiträge im Vertrag als Guthaben hat. Bausparverträge ohne Abschlussgebühren sind nicht bekannt. Bis zum Jahr 2016 musste man bei bestimmten Bausparkassen eine Darlehensgebühr bezahlen, also eine Gebühr für die Auszahlung des Bauspardarlehens. Der Bundesgerichtshof erklärte diese Gebühr aber im Jahr 2016 als verfassungswidrig. Kunden können bereits gezahlte Darlehensgebühren aus den Jahren 2013 bis 2016 zurückverlangen.

Ist ein Bausparvertrag für Selbstständige sinnvoll? – ein Rechenbeispiel

Ist ein Bausparvertrag für Selbstständige sinnvoll? Rudi Rastlos ist rasender Reporter und will sich selbstständig machen. Er macht sich schlau über einen Bausparvertrag,mit dem Ziel, in 15 Jahren ein Haus zu bauen.

Rudi Rastlos ist selbstständig
Rudi Rastlos will sich selbstständig machen.

Er würde jedes Jahr das Minimum von 512 € einzahlen, um die volle Wohnungsbauförderung von 45,06 € pro Jahr zu erhalten. Es würde also jedes Jahr 557 € in den Bausparvertrag einbezahlt (eigenes Geld + Wohnungsbauprämie) werden. Der Bausparvertrag hat einen Guthabenzins von 0,5 % pro Jahr.Rudi Rastlos weiß aber auch,dass er monetär flexibel bleiben muss – erst recht als Selbstständiger. Außerdem sollte er als Selbstständiger, besonders am Anfang der Selbstständigkeit, auf die Ausgaben und Kosten achten.

Des Weiteren zahlen er nicht in die gesetzliche Rentenversicherungein und hat daher keinen Anspruch auf gesetzliche Rente. Somit ist eine renditestarke und langfristige Schließung seiner großen Versorgungslückeeminent wichtig. Rudi Rastlos hat erfahren, dass ein Bausparvertrag keine dieser drei Kriterien erfüllt. Er informiert sich.

Rudi ist Selbstständig
Rudi rechnet nach.

Er erfährt von der Fonds oder ETF-Idee. Rudi findet heraus, dass er bei einemkonservativenbismoderaten Fonds-Depotlangfristig jährlich mit 6% Rendite rechnen kann, nach Kosten. Auf diesen Vertrag erhält er aber keine Wohnungsbauprämie. Das Fonds-Depot läuft ebenfalls 15 Jahre und Rudi zahlt ebenfalls monatlich 43 € ein.

Rudi rechnet also nach:

Bausparen für Selbstständige

 Bausparvertrag 0,5 % Zins pro JahrFonds-Depot-Konto 6 % Rendite pro Jahr
Monatliche Eigenleistung43 €43 €
Wohnungsbauprämie pro Jahr45,06 €entfällt
Nach 15 Jahren insgesamt eingezahlt8.415,00 €7.740,00 €
Nach 15 Jahren Guthaben8.740,00 €12.400,00 €
Ein Bausparvertrag im Vergleich mit einem moderaten Fonds- oder ETF-Depot. Ohne Abschlussgebühren und Steuern.

Rudi ist sprachlos. Obwohl in den Bausparvertrag viel mehr eingezahlt wurde, kommt am Ende viel weniger raus– trotz fehlender staatlicher Förderung. Die hohen Abschlussgebühren des Bausparvertrages hat Rudi noch gar nicht berücksichtigt.

Laut Verbraucherschutzorganisationen ist ein Bausparvertrag zusammen mit der Wohnungsbauprämie nur eine versteckte Subvention der Bausparindustrie. Die Wohnungsbauprämie gekoppelt mit Bausparverträgen war und ist ein Minusgeschäft für den Kunden. Bausparen ist eine der teuerste Art eine Immobilie zu finanzieren!

Praxistipp

Professor Money mit Lupe
Auch Selbstständige bekommen zinsgünstige Bankdarlehen.

Wer als Selbstständiger einen Kredit für ein Eigenheim benötigt, bekommt diesen durch ein günstiges Bankdarlehen, entweder online oder über einen unabhängigen Baufinanzierer. Die Altersvorsorge über einen Bausparvertrag aufzubauen macht keinen Sinn. Die hohen Abschlusskosten, sowie Intransparenz und schlechte Rendite sind nur drei Gründe dafür.

Wer einen alten Bausparvertrag mit guter Verzinsung (mindestens 1,5 % pro Jahr) hat, kann diesen als Festgeld-Konto nutzten. Das Problem dabei ist, dass man aus einem Bausparvertrag keine Entnahmen tätigen kann. Man kann also einen Bausparvertrag nur komplett auflösen. Wenn man also als Selbstständiger weiß, dass man das Geld aus einem alten Bausparvertrag definitiv innerhalb der nächsten 3 Jahre braucht, kann man diesen behalten (die Abschlussgebühren wurden sowieso schon bezahlt).

Wer mittel- bis langfristig auf Nummer sicher gehen will, eröffnet ein kostengünstiges Fonds-Depot-Konto bei einer Depotbank und spart monatlich in einFonds-oderETF-Portfolioein. Durch die monatlichen Raten werden die Schwankungen am Kapitalmarkt gemindert.

Außerdem ist das Geld in einem Fonds- oder ETF-Depot vor den schlimmsten Krisen, wie etwa eine Bankenpleite oder ein Crash des Euro, imSondervermögengeschützt. Das Geld in einem Bausparvertrag ist in solchen Fällen weg oder wird massiv entwertet.

Einzelnachweise

ARD PlusMinus 2013