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Soll ich meine Lebensversicherung kündigen?

Das Wesentliche zusammengefasst

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In Deutschland gibt es mindestens 90 Mio. Lebens- und Rentenversicherung; in Österreich 11 Millionen Verträge

Was muss ich bei der Kündigung meiner Lebensversicherung beachten?

Soll ich meine Lebensversicherung kündigen? Eine Lebensversicherung kann, außer sie ist verpfändet, jederzeit gekündigt werden. Dabei zu beachten gilt der Einschluss wichtiger Zusatzversicherungen wie z.B. Todesfall-, Berufsunfähigkeit-, oder Unfallschutz. Denn dieser entfällt bei Kündigung. Daher sollte man prüfen, ob ein wichtiger Versicherungsschutz im Vertrag mit enthalten ist bzw. ob dieser noch benötigt wird.

Wenn die enthaltenen Versicherungen nicht gebraucht werden, kann der Vertrag sofort gekündigt werden.

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Der Versicherungsschutz sollte aufrecht erhalten werden.

Wenn der Versicherungsbaustein gebraucht wird, sollte man sich an einen unabhängigen Versicherungsmakler wenden. Durch die Annahme bei einer günstigen Risikolebensversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung oder Unfallversicherung kann man den Versicherungsschutz aufrecht erhalten.Somit entgeht man dem Risiko nicht versichert zu sein. Erst dann sollte man die alte Versicherung kündigen.

Wie kann ich eine Lebensversicherung kündigen?

Soll ich meine Lebensversicherung kündigen?Ein Versicherungsvertrag muss immer schriftlich gekündigt werden. Ebenfalls ist zu empfehlen, den Versicherungsschein im Original mit an die Versicherung zu schicken. Sollte dieser nicht mehr vorhanden sein, dann verlangen Versicherungen meistens eine Verlustmeldung, die auch wieder schriftlich eingereicht werden muss. Im folgenden ist ein Beispiel einer Kündigung festgehalten. Bei Bedarf kann dieses Formular als Vorlage verwendet werden.

Betreff: Kündigung

Datum

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit sofortiger Wirkung kündige ich mein Vertrag mit der Nr. …. Bitte überweisen Sie mir den Rückkaufswert schnellst möglichst auf folgende Bankverbindung:

Empfänger:

IBAN:

BIC:

Ich entziehe Ihnen gleichzeitig, ab sofort, die Einzugsermächtigung. Mein Originalversicherungsschein liegt bei.

Bitte um Bestätigung meines Anliegens.

Mit freundlichen Grüßen

Lohnt sich die Kündigung meiner Lebensversicherung?

Soll ich meine Lebensversicherung kündigen?Immer mehr Versicherungskunden stellen ihre abgeschlossenen Kapitallebensversicherungen in Frage. Zu Recht? In jedem Fall. Denn wagt man einen Blick in die Rückkaufswert-Tabelle stellen die Sparer fest, dass ihr Guthaben in den allermeisten Fällen unter ihrer bisherigen Einzahlung liegt. Der Rückkaufswert ist das Guthaben, dass man bei Kündigung ausbezahlt bekommt.

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Viele Kunden von Versicherungen haben die Verträge noch nie wirklich hinterfragt.

Viele Kunden haben derartige Verträge in der Vergangenheit unterschrieben, ohne je selbst nachgerechnet zu haben. Mit fatalen Folgen. Die Aussage der Versicherungsvertreter, „Wenn Du kündigst, machst Du Verlust!“ hat einige Kunden in der Vergangenheit abgeschreckt, den Vertrag wirklich prüfen zu lassen. Diese Aussage der Versicherungsbranche stimmt so nicht. Denn der Verlust erfolgt nicht durch Kündigung sondern bereits bei Abschluss. Denn schon vom ersten eingezahlten Euro zieht die Versicherung Abschlussprovisionen, Verwaltungsgebühren und Risikokosten ab. Ob sich eine Kündigung lohnen kann, hängt nicht davon ab, wie lange ein Vertrag schon läuft, sondern von seiner Restlaufzeit. Denn die Vergangenheit ist bereits vorbei und die Zukunft liegt vor uns. Außerdem ist absolut entscheidend, ob bereits anderweitig sinnvoller angelegt werden kann. Zunächst muss die Rentabilität des Vertrages genauer betrachtet werden. WICHTIG: Sollte der Versicherungskunde bereits gesundheitlich angeschlagen und auf den in der Police enthaltenen Versicherungsschutz angewiesen sein, dann ist von einer Kündigung abzuraten. Denn der Kunde wird Schwierigkeiten haben, bei anderen Versicherungen überhaupt einen Versicherungsschutz zu bekommen. Im folgenden wird also die reine kaufmännische Betrachtung im Vordergrund stehen.

Status Quo: Wie viel Zinsen bringt meine Lebensversicherung?

Soll ich meine Lebensversicherung kündigen? Zunächst muss anhand der persönlichen Zahlen aus dem Vertrag berechnet werden, wie hoch die bisherige Verzinsung des Vertrages liegt. Das gilt sowohl für den Zeitraum von Beginn bis zum Datum der aktuellen Prüfung als auch von Beginn bis zum Ablauf. Sollte eine Dynamik mit eingebaut sein oder zwischenzeitlich Beiträge reduziert, erhöht oder beitragsfrei gestellt worden sein, dann wird die Rechnung etwas komplizierter und aufwendiger. Die Versicherung verzinst den Sparanteildes Kunden mit dem gesetzlichen Garantiezins.

Finanztip sagt: Entwicklung des gesetzlichen Garantiezinses
Der Garantiezins für Lebensversicherungen fällt seit Jahren dramatisch. Dies wird sich in den nächten Jahren noch verschlimmern.

Allerdings ist der Sparanteil nicht der Beitrag des Kunden, sondern der Beitrag abzüglich der Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten. Diese betragen gesamt, nicht selten bis zu 30 % der kompletten Prämie des Kunden. Hinzu kommen die Zins-, Risiko- und Kostenüberschüsse, die sich seit knapp 20 Jahren fast jedes Jahr verringern. Die Beteiligung an den stillen Bewertungsreserven wurden teilweise sogar ganz gestrichen. Am Ende der Laufzeit gibt es noch einen Schlussüberschuss, daraus ergibt sich dann die prognostizierte Ablaufleistung inklusive aller Überschüsse.

Professor Money sagt: nur der Sparanteil Deines Beitrages wird verzinst!
Bis zu 30% Deines Beitrages kann für Kosten an die Versicherung gehen. Nur der Rest wird garantiert verzinst.

Für den Kunden ist also am Ende entscheidend, was er insgesamt in den Vertrag einzahlt, welche Höhe der Versicherungsschutz beträgt und was er am Ende garantiert herausbekommt und wie hoch die Auszahlung mit Überschüssen ist. Die Realität zeigt, dass die garantierten Auszahlungen oftmals nur noch knapp über der Einzahlung sind.

Beispiel 1: Die Kündigung von Freds Lebensversicherung lohnt sich nicht

Wir nehmen an, Fred zahlt 150 € monatlich in eine Kapitallebensversicherung mit einem integriertem Todesfallschutz von 50.000 € über eine gesamte Laufzeit von 37 Jahren. Er befindet sich im 33. Jahr und hat noch 4 Jahre Restlaufzeit und stellt sich die Frage, ob sich der Ausstieg lohnt.

Fred hat eine Lebensversicherung
In Freds Fall lohnt sich die Kündigung der Lebensversicherung nicht, da die Restlaufzeit zu kurz ist.

Er ist gesund und könnte auf die Todesfallsumme von 50.000 € verzichten und braucht das Geld in 4 Jahren für die Rückzahlung eines Darlehens. Da die Restlaufzeit von 4 Jahren sehr kurz ist für eine alternative bessere Anlage und bei einer Kündigung der Schlussüberschuss wegfallen würde, ist eine Kündigung voraussichtlich nicht ratsam, selbst wenn der Schlussüberschuss nicht mehr so hoch ausfällt.

Beispiel 2: Kündigung von Susis Lebensversicherung kann sich lohnen

Susi zahlt 150 € monatlich in eine Kapitallebensversicherung über eine gesamte Laufzeit von 37 Jahren. Sie ist gesund und hätte keine Probleme, anderweitig günstiger versichert zu werden. Sie befindet sich im 13. Jahr der Einzahlung und hat bisher insgesamt 23.400 € einbezahlt bei einem aktuellen Rückkaufswert von 20.000 €. Die prognostizierte Ablaufleistung inklusive Überschüsse, also die Auszahlung der Versicherung laut aktueller Versicherungsmitteilung, beträgt 90.000 €.

Susi hat eine Lebensversicherung
In Susis Fall lohnt sich die Kündigung der Lebensversicherung, da die Restlaufzeit der Versicherung lang ist und Susi gesund ist.

Die Nettoverzinsung auf den eingezahlten Beitrag in diesen 37 Jahren würde 1,6 % pro Jahr betragen, wenn alles so weiterläuft wie bisher. Das ist nicht sehr üppig. Susi hat sicherrechnet, dass sie mit ihren Sparprodukten auf einen Anlagehorizont von knapp 40 Jahren mindestens über der Inflationsrate von 2 % liegen muss, um wirklich was für ihre Altersvorsorge zu machen.

Bei Kündigung würde Susi einen kurzfristigen Verlust von 3.400 € realisieren. Das ist allerdings nur die eine Seite, denn auf einen Anlagehorizont von 24 Jahren, also der Restlaufzeit des Versicherungsvertrages, könnte sie ihr hart erarbeitetes Geld z.B. in einembreit gestreuten, konservativen Depotbestehend aus Fonds- oderETFsrentabler anlegen. Sie kündigt somit die Rentenversicherung. Innerhalb von rund 6 Wochen ist der Rückkaufswert von 20.000 € auf Ihrem Konto. Sie ist ein sehr konservativer Anleger und wählt daher eine ruhige Variante einesFonds-Depots.

Von den 150 € monatlich könnte Susi sich für 10 € monatlich über eine günstige Risikolebensversicherung absichern. Damit wäre ihr Versicherungsschutz wieder hergestellt. Die verbleibenden 140 € könnte sie in das Depot mit ansparen. Bei einer angenommenen Wertentwicklung von 5 % pro Jahr nach Fondskosten über die Restlaufzeit von 24 Jahren, entstünde ein Fondsguthaben von rund 140.000 € vor Steuer.

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Der Gewinn von guten Depots im Verhältnis zu Versicherungen ist enorm.

Daraus ergibt sich einen Differenzgewinn von über 50.000 € netto im Vergleich zur alten Lebensversicherung. Voraussetzung für die Annahme bei einer neuen Risikolebensversicherung ist ein guter Gesundheitszustand. Deshalb sollte nicht eigenständig und ohne Überlegung vorzeitig gekündigt werden. Sie sollte einen Experte zu Rate ziehen und eine Risikoprüfung vor der Kündigung veranlassen, damit sie nicht ohne Versicherungsschutz im Ernstfall da steht.

Welche Alternativen gibt es zur Kündigung?

Soll ich meine Lebensversicherung kündigen? Neben der Kündigung können Lebensversicherungenbeitragsfreigestellt, beliehen oder verkauft werden. Bei einerBeitragsfreistellungwerden keine Beiträge mehr abgebucht. Um dauerhaft still zu legen, bedarf es bei einigen Versicherungsgesellschaften ein Mindestguthaben. Das bisher angesammelte Guthaben bleibt im Vertrag bestehen und verzinst sich abzüglich der Verwaltungsgebühren weiter. Bei kleineren Guthaben empfiehlt sich gleich die Kündigung, da die Kosten die Gewinne auffressen und am Ende für den Versicherungskunden ein Minusgeschäft darstellt. Auch die eventuell vereinbarten Zusatzversicherungen wie z.B. eine Berufsunfähigkeitsversicherung sind i.d.R bei einer Beitragsfreistellung hinfällig oder entfallen gänzlich.

Wenn kurzfristig Geld benötigt wird und der Kunde die Versicherung nicht aufgeben möchte ist eine Beleihung möglich. In einem solchen Fall zahlt man für die Zeit der Beleihung einen Zins auf das eigene Geld. Vorteil ist, dass die Police erhalten bleibt und der geliehene Betrag wieder zurückbezahlt wird und das Versicherungsvermögen langfristig nicht weniger wird. Ob es ratsam ist, hängt maßgeblich von den zu zahlenden Zinsen ab und der Alternative zur Beleihung. In den meisten Fällen handelt es sich um eine sehr teure Angelegenheit, da man Zinsen auf sein eigenes Kapital zahlt.

Die dritte Alternative zur Kündigung ist der Verkauf der Police an sogenannte Policen-Ankäufer. Alle Rechte und Pflichten aus dem Vertrag gehen dabei auf den Ankäufer über. Diese zahlen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen, ca. 3-5 Prozentpunkte mehr als die Versicherung. Bei noch jüngeren Verträgen oder Verträgen mit geringem Beitrag, lehnen Policen-Ankäufer die Übernahme der Versicherung oftmals ab. Teilweise geht der Policen-Ankauf durch den bürokratischen Aufwand sehr schleppend voran und kann sich über viele Monate hinziehen. Fondsgebundene Lebensversicherungen werden oft nicht von Policen-Ankäufer übernommen.

Ist bei geförderten Verträgen eine Kündigung möglich?

Soll ich meine Lebensversicherung kündigen? Bei der betrieblichen Altersvorsorge wie z.B. einer Direktversicherung ist eine Kündigung nicht möglich. Es sei denn das Guthaben ist sehr gering und der Vertrag wird nicht fortgeführt. In einem solchen Fall kann eine Kündigung versucht werden.

Bei Rürup-Verträgen hingegen ist eine Kündigung ausgeschlossen. Es kann frühestens mit dem 62. Lebensjahr über eine Rente verfügt werden. Auch nach der Ansparzeit kann das Guthaben nicht einmalig ausgezahlt oder gekündigt werden.

Riester-Verträge können gekündigt werden. Allerdings müssen alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile wieder zurückgeführt werden. Daher ist eine Beitragsfreistellung in bestimmten Fällen sinnvoller und von einer Kündigung abzuraten. Weiterhin kann Riesterguthaben auch auf einen anderen Anbieter übertragen werden. Die einmaligen Gebühren betragen hierbei bis zu 150 Euro. Es sei aber dazu gesagt, dass alle Riester-Verträge durch die enge gesetzliche Vorgabe und der damit verbundenen Garantieleistung eine geringe Rentabilität aufweisen. Dies ist der Null-Zinspolitik geschuldet.

Ist die Auszahlung steuerfrei?

Den Rückkaufswert bekommt man nach 12 Jahren Laufzeit steuerfrei ausbezahlt, sofern der Vertrag vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurde und mindestens 5 Jahre Beiträge geflossen sind. Wer nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen hat oder vor einer Laufzeit von 12 Jahren kündigt, zahlt Abgeltungssteuer in Höhen von 25 % auf den Gewinn, aber meistens ist sowieso kein Gewinn vorhanden.

Praxistipp für Besitzer einer Lebensversicherung

Fred hat eine Lebensversicherung
Nachrechnen bei Lebensversicherungen lohnt sich.

Soll ich meine Lebensversicherung kündigen? Jeder Lebensversicherungskunde sollte seinen Vertrag auf den Prüfstand stellen. Denn die hohen Kosten, das schwache Neugeschäft der Versicherer, die hohen Kündigungszahlen und die Niedrigzinspolitik geben den meisten Policen den Rest und machen die Nettoverzinsung auf den eingezahlten Beitrag mehr als unattraktiv. Allerdings sollte nicht voreilig gekündigt werden. Es ist, wie oben beschrieben, von vielen Faktoren abhängig, ob sich eine Kündigung lohnt.Nachrechnensollten man in jedem Fall.

Einzelnachweise

Finanztip

Fetscher, S., Hilfe – wir sparen uns arm! FBV 2018.