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Soll ich meine Rentenversicherung beitragsfrei stellen?

Das Wesentliche zusammengefasst

Soll ich meine private Rentenversicherung beitragsfrei stellen?

Soll ich meine Rentenversicherung beitragsfrei stellen? Jede private Rentenversicherung kann man zu jeder Zeit beitragsfrei stellen. Das heißt, man zahlt ab dem Zeitpunkt nichts mehr in den Vertrag ein. Es gibt einige Versicherer, bei denen ein Mindestguthaben im Vertrag vorhanden sein muss, damit man diesen überhaupt beitragsfrei stellen kann. Dies kann man in den Versicherungsbedingungen nachlesen. Alternativ kann der Beitrag auch auf den Mindestbeitrag gesenkt werden. Dieser ist je nach Gesellschaft unterschiedlich. In vielen Fällen liegt er bei 25 € monatlich.

Professor Money - Daumen hoch
Beitragsfrei stellen ist zumindest besser, als weiter zu zahlen.

Musterschreiben

Datum

Betreff: Beitragsfrei stellen

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit sofortiger Wirkung stelle ich meinen Vertrag mit der Nr. …. beitragsfrei. Gleichzeitig entziehe ich Ihnen, ab sofort, die Einzugsermächtigung.

Ich bitte um eine schriftliche Bestätigung meines Anliegens.

Mit freundlichen Grüßen

Max Muster

Wie viel Zinsen bringt meine private Rentenversicherung?

Soll ich meine Rentenversicherung beitragsfrei stellen? Zunächst muss anhand der persönlichen Zahlen aus dem Vertrag berechnet werden, wie hoch die bisherige Verzinsung des Vertrages ist. Das gilt sowohl für den Zeitraum von Beginn bis zum Datum der aktuellen Prüfung als auch von Beginn bis zum Ablauf. Sollte eine Dynamik mit eingebaut sein oder zwischenzeitlich Beiträge reduziert, erhöht oder beitragsfrei gestellt worden sein, dann wird die Rechnung etwas komplizierter und aufwendiger. Die Versicherung verzinst nur den Sparanteil des Kunden mit dem gesetzlichen Garantiezins. Allerdings ist der Sparanteil nicht der Beitrag des Kunden, sondern der Beitrag abzüglich der Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten. Diese betragen gesamt nicht selten bis zu 30 % der kompletten Prämie des Kunden.

Professor Money sagt: Nur der Sparanteil Deines Beitrages wird verinst!
Die Kosten einer Rentenversicherung sind enorm.

Hinzu kommen die Zins-, Risiko- und Kostenüberschüsse, die sich seit knapp 20 Jahren fast jedes Jahr verringern. Die Beteiligung an den stillen Bewertungsreserven wurden teilweise sogar ganz gestrichen. Am Ende der Laufzeit gibt es noch einen Schlussüberschuss, daraus ergibt sich dann die prognostizierte Ablaufleistung inklusive aller Überschüsse. Für den Kunden ist also am Ende entscheidend, was er insgesamt in den Vertrag einzahlt, welche Höhe der Versicherungsschutz beträgt und was er am Ende garantiert herausbekommt und wie hoch die Auszahlung mit Überschüssen ist. Die Realität zeigt, dass die garantierten Auszahlungen oftmals nur noch knapp über der Einzahlung sind.

Finanztip sagt: Entwicklung des gesetzlichen Garantiezinses
Der Garantiezins sinkt seit Jahren.

Soll ich meine   Rentenversicherung beitragsfrei stellen oder kündigen?

Soll ich meine Rentenversicherung beitragsfrei stellen? Oder doch kündigen? Immer mehr Kunden stellen ihre abgeschlossenen privaten Rentenversicherungen in Frage. Denn wagt man einen Blick in die Rückkaufswert-Tabelle, stellen die Kunden fest, dass ihr Guthaben in den allermeisten Fällen unter ihren bisherigen Einzahlungen liegt. Der Rückkaufswert ist das Guthaben, dass man bei Kündigung ausbezahlt bekommt. Viele Kunden haben derartige Verträge in der Vergangenheit unterschrieben, ohne je selbst nachgerechnet zu haben. Mit fatalen Folgen. Die Aussage der Versicherungsvertreter, „Wenn Du kündigst, machst Du Verlust!“ hat einige Kunden in der Vergangenheit abgeschreckt, den Vertrag wirklich prüfen zu lassen.

Professor Money mit Lupe
Verlust hat man mit der Unterschrift unter einer Rentenversicherung gemacht, nicht mit dessen Kündigung.

Diese Aussage der Versicherungsbranche stimmt so nicht. Denn der Verlust erfolgt nicht durch Kündigung, sondern erfolgte bereits bei Abschluss. Denn schon vom ersten eingezahlten Euro zieht die Versicherung Abschlussprovisionen, Verwaltungsgebühren und Risikokosten ab. Ob sich eine Kündigung lohnen kann, hängt nicht davon ab, wie lange ein Vertrag schon läuft, sondern von seiner Restlaufzeit.

Die individuelle Rentabilität der eigenen Lebensversicherungen kann man hier berechnen.

Beispiel 1: Kündigung lohnt sich nicht

Fred zahlt 150 € monatlich in eine private Rentenversicherung über eine gesamte Laufzeit von 37 Jahren.

Fred hat eine Rentenversicherung

Er befindet sich im 33. Jahr und hat noch 4 Jahre Restlaufzeit und stellt sich die Frage, ob sich der Ausstieg lohnt. Er braucht das Geld in 4 Jahren für die Rückzahlung eines Darlehens. Da die Restlaufzeit von 4 Jahren sehr kurz ist für eine alternative, bessere Anlage und bei einer Kündigung der Schlussüberschuss wegfallen würde, ist eine Kündigung voraussichtlich nicht ratsam, selbst wenn der Schlussüberschuss nicht mehr so hoch ausfällt.

Beispiel 2: Kündigung kann sich lohnen

Susi zahlt 150 € monatlich in eine private Rentenversicherung über eine gesamte Laufzeit von 37 Jahren.

Susi hat eine RentenversicherungSusi befindet sich im 13. Jahr der Einzahlung und hat bisher insgesamt 23.400 € einbezahlt bei einem aktuellen Rückkaufswert von 20.000 €. Die prognostizierte Ablaufleistung inklusive Überschüsse, also die Auszahlung der Versicherung laut aktueller Versicherungsmitteilung, beträgt 90.000 €. Die Nettoverzinsung auf den eingezahlten Beitrag in diesen 37 Jahren würde 1,6 % pro Jahr betragen, wenn alles so weiterläuft wie bisher. Wenn man eine jährliche Inflation von 2 % abzieht, dann macht sie jedes Jahr Verlust und das auf einen Anlagehorizont von knapp 40 Jahren. Bei Kündigung würde Susi einen kurzfristigen Verlust von 3.400 € realisieren.

Das ist allerdings nur die eine Seite, denn auf einen Anlagehorizont von 24 Jahren, also der Restlaufzeit des Versicherungsvertrages, könnte sie ihr Geld z.B. in einem breit gestreuten Depot, bestehend aus Fonds– oder ETFs, viel rentabler anlegen. Bei einer angenommenen Wertentwicklung von 5 % pro Jahr nach Kosten über die Restlaufzeit von 24 Jahren, entstünde ein Fondsguthaben von 140.872 € nach Steuer. Daraus ergibt sich einen Differenzgewinn von 50.872 € netto.

Lohnt sich der Verkauf meiner private Rentenversicherung?

Soll ich meine Rentenversicherung beitragsfrei stellen? Wer etwas mehr Zeit investieren möchte, der kann versuchen seine Versicherung an einen Rentenversicherungs-Ankäufer zu verkaufen.

Professor Money winkt
Man kann die eigene Rentenversicherung auch verkaufen.

Diese nehmen in der Regel nur Kapitallebens- und private Rentenversicherungen. Geförderte Verträge und fondsgebundene Verträge sind also meistens nicht veräußerbar. Das Mindestguthaben für ein Verkaufsangebot liegt häufig bei 5.000 oder 10.000 € und sollte noch einige Jahre laufen. Gute Anbieter zahlen oftmals  2 – 4 % mehr als der Rückkaufswert. Dabei müssen die vollständigen Unterlagen inklusive Original-Versicherungsschein und Ausweiskopie eingereicht werden und nach Erhalt der Unterlagen bekommt man je nach Anbieter ein Kaufpreisangebot. Danach hängt die Dauer der Auszahlung auch von der Mitarbeit der Versicherung ab. Der ganze Prozess kann schon bis zu 2 – 3 Monaten dauern. Manche Anbieter sind auch schneller. Wer also den bürokratischen Aufwand nicht scheut, könnte am Ende belohnt werden und einen etwas höheren Rückkaufswert bekommen.

Praxistipp für Inhaber einer Rentenversicherung

Eine Versicherung beitragsfrei zu stellen macht im Normalfall wenig Sinn, da die teuren Versicherungskosten an dem verbleibenden Guthaben bis zum Ende der Laufzeit nagen. Sinnvoller ist es die Rentenversicherung entweder zu verkaufen oder zu kündigen, sofern die kaufmännischen Rahmenbedingungen passen. Es ist davon abzuraten selbständig und voreilig zu kündigen.

Professor Money mit Rechenschieber
Rechne Deine Rentenversicherung nach. Es lohnt sich.

Mit einem Rentenversicherungs-Vergleichs-Rechner kann man herausfinden, wie hoch die Netto-Verzinsung einer Rentenversicherung wirklich ist. Wer seine Rentenversicherung verkaufen will, sollte sich an seriöse Anbieter wenden. Diese verlangen entweder keine Gebühr für die Überprüfung oder nur sehr wenig für die Berechnung.

Die Beiträge, welche in den Versicherungsvertrag geflossen sind, sollte man in ein günstiges Fonds-Depot sparen, um einen wirklichen Vermögensaufbau zu betreiben, welcher langfristig über der Inflation liegt.