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Rentenversicherung wird ausbezahlt, was tun?

Das Wesentliche zusammengefasst

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Das Geld in Sofortrenten von Versicherungen ist unflexibel und bei Tod nicht vererbbar.

Was tun bei der Auszahlung der privaten Rentenversicherung?

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Die Versicherungsgesellschaft bietet zwei Möglichkeiten bei Auszahlung der Rentenversicherung.

Die Rentenversicherung wird ausbezahlt, was tun? Endlich ist es soweit. Nach Jahren und Jahrzehnten der Einzahlung in eine Rentenversicherung kommt der Tag der Auszahlung der Versicherungssumme. Doch bevor das Geld fließt, hat der Versicherte die Qual der Wahl. In der Regel erhält der Versicherungsnehmer von der Versicherungsgesellschaft Post. Die Versicherung bietet zwei Möglichkeiten an: eine lebenslange Sofortrente über die Versicherung oder lieber eine einmalige Auszahlung der kompletten Versicherungssumme. Natürlich hat die Versicherung ein Interesse daran, das Geld über eine Sofortrente in der Versicherungsgesellschaft zu behalten. Auf der anderen Seite fehlt vielen Menschen in Deutschland das Wissen über die Möglichkeiten, bei einer einmaligen Kapitalauszahlung das Geld sicher und gewinnbringend alternativ anzulegen.

Das Beispiel von Rentnerin Oma Frieda

Oma Frieda hat eine Rentenversicherung
Oma Frieda geht zur Versicherung, um sich ihre Rentenversicherung verrenten zu lassen.

Die Rentenversicherung von Oma Frieda wird ausbezahlt, was tun? Oma Frieda ist 65 Jahre alt und hat Zeit ihres Lebens hart gearbeitet. Nun darf in Rente gehen und sie freut sich auf den Ruhestand und der Zeit mit ihren Enkeln. Oma Frieda wusste schon vor Jahren, dass sie wenig gesetzliche Rente erhalten wird und hat daher eine Rentenversicherung abgeschlossen. Diese Rentenversicherung mit 50.000 € ist nun bereit zu Auszahlung. Oma Frieda erhält Post von der Versicherung. Die Gesellschaft bietet ihr nun zwei Optionen an, was sie mit ihrem hart ersparten Geld machen kann: eine Sofortrente über die Versicherung oder eine einmalige Auszahlung der komplette Summe von 50.000 € auf ihr Girokonto

Option 1: Die Sofortrente der Versicherung. Steuern, hohe Kosten und Unflexibilität

Die erste Option ist, dass Oma Frieda die 50.000 € innerhalb der Versicherung belässt und eine sogenannte Sofortrente, oder lebenslange Rente, beginnt. Die Versicherung rechnet vor und laut dieser Rechnung bekommt sie 192 € garantierte lebenslange Rente vor Steuer. Grundsätzlich klingt das Konzept der lebenslangen Rente sinnvoll.

In der Praxis jedoch kalkulieren die Versicherer mit einer viel zu hohen Lebenserwartung. Durch diese zu hoch angesetzte Lebenserwartung fällt die garantierte Rente sehr mager aus. In der Rechnung wird auch noch etwas von Überschüssen aufgeführt, die ihre Sofortrente noch aufbessern könnte. Auf diese kann sie sich nicht aber verlassen, da die Überschüsse aufgrund der Nullzinspolitik, der hohen Kündigungszahlen und des schwachen Neugeschäfts der Versicherung seit Jahren massiv zurückgehen.

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Die Sofortrente der Versicherung fällt unter die Ertragsanteilbesteuerung.

Oma Friedas Sofortrente der Versicherung fällt zudem unter die Ertragsanteilbesteuerung. Darüber hinaus müsste sie als freiwillig gesetzlich versicherte Rentnerin noch 14 % Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge von dieser Rente bezahlen. Privatversicherte und gesetzlich Versicherte hingegen müssen das nicht. Hinzu kommen die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten der Versicherung. Oma Frieda liest weiter in dem Vertrag und erfährt, dass sie nach Abschluss er Sofortrente an das Geld nicht mehr heran kommt, da ausschließlich die Rente ausbezahlt wird und nie gekündigt werden kann. Bräuchte sie Geld für eine Weltreise oder ein Pflegeheim, hat sie keine Chance an das Geld zu kommen.

Oma Frieda vergleicht das Angebot der Versicherung mit ihrem Girokonto, welches mit 0 % verzinst wird. Hier würde sie die nächsten 20 Jahre eine steuerfreie Rente von 208 € bekommen – bei weitem besser als das Angebot der Versicherung.

Die Sofortrente der Versicherung und der Fallstrick der Rentengarantiezeit

Oma Frieda hat eine Rentenversicherung
Die Sofortrente der Versicherungen kann nicht vererbt werden.

Auch für die Erben sieht es schlecht aus. Oma Frieda kann mit der Versicherung eine sogenannte Rentengarantiezeit vereinbaren. Rentengarantiezeit ist eine vertraglich vereinbarte Zeit, währenddessen die von Oma Frieda ernannten Erben noch Rente ausbezahlt bekommen, nachdem sie verstorben ist. In der Regel liegt diese zwischen 5 und 20 Jahren. Je länger die Rentengarantiezeit, desto geringer ist die monatliche Sofortrente für Oma Frieda. Angenommen die Rentengarantiezeit würde 10 Jahre betragen und Oma Frieda verstirbt im 8. Jahr, dann bekommen die Erben noch 2 Jahre lang die Rente ausbezahlt. Danach ist das Geld für die Erben weg. Das Geld geht legal und automatisch an die Versicherung. Ein essentieller Punkt über den viele Kunden von Sofortrenten nicht genau informiert wurden.

 

Durch die Rentengarantiezeit geht das Geld nach dem Tod legal an die Versicherung über.

Option 2: Einmalzahlung und die ewige Rente

Die Rentenversicherung wird ausbezahlt, was tun? Die Alternative ist denkbar einfach und günstig. Oma Frieda lässt sich die komplette Versicherungssumme von 50.000 € einmalig auf ihr Girokonto überweisen. Danach eröffnet sie ein konservatives Fonds-Depot-Konto. Auf dieses Konto kann sie ebenfalls Einmalbeträge einzahlen und sich das Geld danach monatlich verrenten lassen. Je nachdem wie viel man entnimmt, bleibt das Geld auf dem Fonds-Depot erhalten, bzw. kann sich sogar noch vermehren. Hierbei ist eine einfache Regel zu beachten: Für etwa 1.000 € dauerhafte monatliche Entnahme ist ein Vermögen von 250.000 € notwendig. Bei 2.000 € monatlich 500.000 € und so weiter. Angenommen das konservative Fonds-Depotkonto erwirtschaftet 5 % Rendite pro Jahr nach Kosten. Oma Frieda entnimmt sich aber nur 4 % pro Jahr aus diesem Depot. Das Geld im Depot bleibt also erhalten und wird sogar mehr. Mit einem neutralen Auszahl-Rechner kann Oma Frieda berechnen, wie viel sie monatlich Geld entnehmen kann.

 2 % Rendite pro Jahr3 % Rendite pro Jahr4 % Rendite pro Jahr 5 % Rendite pro Jahr
20 Jahre 76.760 € 123.844 €182.702 €255.787 €
30 Jahrenach 27 Jahren aufgebraucht26.633 €123.248 €261.627 €
40 Jahrenach 33 Jahren aufgebraucht35.242 €271.140 €
50 Jahrenach 44 Jahren aufgebraucht286.636 €

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Bei fairen Anbietern sind die Kosten für ein Fonds-Depot gering.

Wenn Oma Frieda weniger Geld in das Fonds-Depot einzahlt, kann sie weniger entnehmen, sofern das Geld im Depot erhalten bleiben soll. Mit einem qualitativ gut aufgestellten Depot sind Renditen von 4 – 5 % pro Jahr nach Kosten auf lange Sicht Realität. Bei fairen Anbietern im Internet beinhaltet die Eröffnung eines Fonds-Depotkontos keine Abschlussgebühren und geringe jährliche Kosten. Mit einem Verrentungsplan aus einem Fonds-Depotkonto gibt es keine Rentengarantiezeit und es sind jederzeit Auszahlungen oder Einzahlungen für ein Pflegeheim oder ähnliches möglich. Das Geld auf einem Fonds-Depot kann Oma Frieda jederzeit vererben. Wenn sie unter den jeweiligen Freibeträgen für die Erbschaftssteuer bleibt, sogar steuerfrei.

Das wichtigste Argument für ein Fonds-Depot ist allerdings die rechtliche Sicherheit. Ein Fonds-Depot ist im Sondervermögen vor eine Pleite der Bank, der Versicherung oder Investmentgesellschaft geschützt. Oma Frieda ist wirklich Eigentümerin ihres eigenen Geldes und kann ihren Ruhestand in vollen Zügen genießen.

Fazit für Rentner

Die Rentenversicherung wird ausbezahlt, was tun? Wer nüchtern nachrechnet erkennt schnell, dass eine Sofortrente über eine  Versicherung keinen Sinn macht. Günstige und flexible Alternativen findet man über den Weg eines Depotkontos. Hier kann man jederzeit Zugriff auf das Geld, man kann jederzeit Beträge entnehmen oder vererben. Das Geld kann sich während der Zeit der Rente sogar noch vermehren – trotz monatlicher Entnahme. Wie hoch die regelmäßige, monatliche Entnahmen sein kann, kann hier errechnet werden. Zusätzlich ist das Geld in einem Depot ist im Sondervermögen vor den schlimmsten Krisen geschützt.

Einzelnachweise

Bund der Versicherten

Verbraucherzentrale Hamburg

Finanztip

Stiftung Warentest