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Der Betrachter schaut von einer Straße aus auf zwei Eigenheime. Diese sind allerdings unter einer Glaskuppel gefangen.
Der Betrachter schaut von einer Straße aus auf zwei Eigenheime. Diese sind allerdings unter einer Glaskuppel gefangen.

Ist ein Bausparvertrag für Studierende sinnvoll?

Christian
21.02.2020
ca. 8 Min. Lesezeit

Das Wesentliche zusammengefasst

Der Bausparvertrag für Studierende

Bausparen ist Geldvernichtung.
Bausparen ist Geldvernichtung.

Ein Bausparvertrag besteht grundsätzlich aus drei Phasen: der Sparphase, der Zuteilungsphase und der Darlehensphase. Die Sparphase ist die Zeit, in welcher der Bausparkunde in den Bausparvertrag einzahlen muss. Während der Sparphase bekommt der Kunde einen vor Abschluss festgelegten niedrigen Ansparzins auf das eingezahlte Kapital. In der Zuteilungsphase kann der Bausparer entscheiden, ob das angestrebte Darlehen in Anspruch genommen werden soll oder nicht bzw. wann das Darlehen in Anspruch genommen wird.

Während der Darlehensphase wird das Darlehen ausbezahlt und muss monatlich mit Zins und Tilgung zurückgezahlt werden. Der Kunde zahlt einen vor Abschluss festgelegten Tilgungssatz für das Darlehen. Wenn man einen Mindestbetrag einzahlt, bekommt man die staatliche Wohnungsbauprämie von 45,06 € pro Jahr zusätzlich gutgeschrieben. Teilweise wird bei Jugendtarifen (bis zum 25. Lebensjahr) auf die Abschlussgebühr verzichtet und mit verschiedenen Prämien für Studierende geworben. Oftmals stellt sich dieser Verzicht auf die Abschlussprovisionen als Mogelpackung heraus. Wenn ein Bausparvertrag vor dem 25. Lebensjahr abgeschlossen wird, muss das Darlehen nicht zwangsläufig für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden.

Ist ein Bausparvertrag für Studierende sinnvoll?

In Verkaufsgesprächen mit Vertretern von Bausparkassen und Banken wird oft die Wohnungsbauprämie als eines der Hauptargumente hervorgebracht. Diese beträgt 45,06 € pro Jahr, gekoppelt an eine Mindesteinzahlung in den Bausparvertrag. Bei Abschluss eines Bausparvertrages vor dem 25. Lebensjahr muss diese staatliche Förderung nicht für wohnwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Wir rechnen nach, ob sich ein Bausparvertrag mit Wohnungsbauprämie für Studierende wirklich lohnt.

Das Beispiel von den Studierenden Berti und Susi

Ist ein Bausparvertrag für Studierende sinnvoll? – Der Bachelor-Student Berti ist 18 Jahre alt und will von dem wenigen Geld, das er zur Verfügung hat, etwas sparen für später. Ob das Geld für ein Haus, einen teuren Urlaub nach dem Studium oder zur Altersvorsorge genutzt werden soll, ist noch unklar.

Berti ist Studierender

Berti schließt einen Bausparvertrag ab.

Er geht zur örtlichen Bausparkasse und lässt sich beraten. Der Vertreter macht ihm folgendes Angebot: Es werden jedes Jahr 512 € einbezahlt, um die volle Wohnungsbauförderung von 45,06 € pro Jahr zu erhalten. Es werden also jedes Jahr 557 € in Bertis Bausparvertrag einbezahlt (eigenes Geld + Wohnungsbauprämie). Der Bausparvertrag hat einen Guthabenzins von 0,5 % pro Jahr und soll 10 Jahre lang laufen.

Susi, ebenfalls Erstsemester, eröffnet für sich hingegen ein günstiges Fonds-Depot-Konto. Sie will sich ebenfalls nicht festlegen, was sie mit dem Geld später machen will.

Susi ist Studierende
Susi eröffnet für sich ein Fonds-Depot.

Susi bekommt aber keine Wohnungsbauförderung auf das Fonds-Depot, es fließt also jedes Jahr weniger Einzahlung in den Vertrag. Das Fonds-Depot enthält eine konservative Zusammenstellung von Investmentfonds oder ETFs und hat durchschnittlich eine Rendite von 6 % pro Jahr. Der Vertrag von Susi ist ebenfalls auf 10 Jahre angesetzt. Grundsätzlich hat man aber bei Fonds-Depots keine Mindestlaufzeit.

Abschluss eines Bausparvertrages mit 16 Jahren im Vergleich mit einem Fonds-Depot

Bausparvertrag 0,5 % Zins pro Jahr von FritzFonds-Depot-Konto 6 % Rendite pro Jahr von Berti
Eigenleistung pro Monat43 €43 €
Wohnungsbauprämie pro Jahr45,06 €entfällt
Nach 10 Jahren insgesamt eingezahlt5.640 €5.160 €
Nach 10 Jahren Guthaben5.784 €7.022 €

Ohne Abschlussgebühren und Steuern gerechnet.

Glücksspielautomat bei dem man drei gleiche Zeichen erspielen muss, auf dem Automaten steht Bausparvertrag mit einigen Münzen und einem Haus. Auf den Scheiben sieht man drei gleiche Zeichen, auf deren steht: niedriger Zins.

Obwohl in den Bausparvertrag mehr eingezahlt wurde (durch die staatliche Wohnungsbauprämie) über die Laufzeit von 10 Jahren, ergibt sich in diesem Beispiel ein beachtlicher Mehrgewinn beim Fonds-Depot. Da für Kunden unter 25 Jahren teilweise auf die Abschlussgebühr verzichtet wird, wurde diese im Beispiel nicht mit berechnet. Das Argument von Bausparkassen, dass die staatliche Subvention förderlich wäre, ist nichtig. Wenn man wie Berti und Susi viel Zeit hat, braucht man die Wohnungsbauprämie gekoppelt mit einem Bausparvertrag nie!

Laut Verbraucherschutz-Organisationen ist die Wohnungsbauprämie nur eine versteckte Subvention der Bausparkassen. Die Wohnungsbauprämie mit Bausparverträgen war und ist ein Minusgeschäft für den Kunden – erst recht für Studenten.

Des Weiteren ist Susis Geld im Fonds-Depot im Sondervermögen geschützt. Das heißt, ihr Geld muss also im Extremfall nicht für die Pleite eines Kreditinstituts herhalten. Der Bausparvertrag von Berti nicht. Dieser kann in Extremfall vollkommen wertlos werden.

Die Alternative zum Bausparvertrag für Studierende

Formel-1-Rennen bei dem Berti in Führung liegt, auf seinem Kart steht Depot. Auf dem Kart hinter ihm steht Bausparvertrag.
Das Fonds-Depot sollte man so lange wie möglich behalten.

Die Alternative zum Bausparvertrag für Studierende ist denkbar einfach. Ein großes Problem von Bausparverträgen im Allgemeinen ist, dass sie immer unterhalb der Inflation verzinst werden. Das heißt auf der einen Seite bekommt man 0,5 % Zins, auf der anderen Seite gibt es eine Inflation von 2 %. Man macht also jedes Jahr 1,5 % Verlust beim Bausparen. Um dieser Misere zu entgehen, muss man das Geld über dem Inflationsniveau anlegen. Am einfachsten geht das mit der Eröffnung eines Fonds-Depots. Dies ist so flexibel wie ein Tagesgeld-Konto. In einem Fonds-Depot-Konto bespart man konservative bis moderate Investmentfonds oder ETF’s. Deren Schwankungen am Kapitalmarkt kann man durch monatliches Sparen minimieren. Dies geht ab 25 € im Monat. Mit einem konservativen oder moderaten Fonds-Depot-Konto liegt man im Schnitt über der Inflation, und dies hat wirklich etwas mit Vermögensaufbau zu tun.

Nehmen wir an, im Beispiel von Susi entnimmt Susi das Geld nicht nach 10 Jahren heraus und zahlt weiter in das Fonds-Depot ein bis zum Renteneintritt, also bis zum 67. Lebensjahr. Dann hat Susi insgesamt 25.800 € einbezahlt, sie hat aber ein Guthaben von 145.424 € zur Verfügung, bei einer jährlichen Rendite von 6 %.

Die Alternative im Praxistest

Leo und Bausparvertrag rennen vor einem Gespenst weg, auf dem steht, Inflation.

Renditen über dem Inflationsniveau über lange Zeiträume sind normal: Der älteste Investmentfonds Deutschlands heißt AGI Fondak. Er ist weder der Beste noch der Schlechteste (keine Kaufempfehlung) Investmentfonds Deutschlands. In diesen Fonds konnten deutsche Anleger ab dem Jahr 1950 investieren. Wer 1950 im ältesten Investmentfonds Deutschlands 1.300 € angelegt hätte, wäre heute Euro-Millionär.

Das war damals freilich eine Menge Geld. Nichtsdestotrotz lag die Nettorendite des Fonds bei ca. 10,6 % pro Jahr. Man hätte es aber schaffen können, hätte man seit 1950 zum Beispiel alle Geldgeschenke von Verwandten zum Geburtstag oder zu Weihnachten in diesen Fonds eingezahlt.

Ein Szenario, in dem ein Bausparvertrag für Studierende Sinn ergibt

Es gibt ein Szenario, in welchem ein Bausparvertrag für Studierende sinnvoll ist. Dieses Szenario beinhaltet, dass auf diesen Vertrag keine Abschlussgebühren erhoben wurden und das Geld nur für eine Anlagedauer von weniger als 3 Jahre bestimmt ist. Mit anderen Worten der oder die Studierende weiß mit Sicherheit, dass er oder sie das Geld in 3 Jahren definitiv braucht. In dieser Konstellation kann man einen Bausparvertrag als kurzfristiges Festgeld-Konto ansehen.

Mit einer Verzinsung von 0,5 % bis 1 %, liegt der Zins dann zwar immer noch unterhalb der Inflation. Das Geld aber im Kapitalmarkt zu investieren, wäre für diesen kurzen Zeitraum mit Schwankungen verbunden. Ab einer Anlagedauer von mehr als 3 Jahren wird empfohlen, in ein konservatives Fonds- oder ETF-Portfolio zu investieren.

Mehr Alternativen zum Bausparvertrag für Studierende.

Praxistipp für Studierende

Wenn man noch einen alten Bausparvertrag mit guter Verzinsung hat (höher als 1 % pro Jahr), kann man diesen behalten und als Festgeld-Konto nutzen. Das Problem dabei ist, dass man das Geld nur auf einmal entnehmen kann. Wenn man also weiß, dass man das Geld in maximal 3 Jahren definitiv braucht, sollten man in dieser Konstellation den Bausparvertrag behalten. Vom Abschluss eines neuen Bausparvertrages ist dringend abzuraten. Die Inflation frisst die ohnehin schon mageren Zinsen wieder auf und der Vertrag wird jedes Jahr weniger Wert – trotz staatlichem Zuschuss.

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Langfristig macht nur ein Fonds- oder ETF-Depot wirklich Sinn.

Langfristig macht nur ein Fonds- oder ETF-Depot wirklich Sinn.

Wer als Studierender einfach nur Geld anlegen will – monatlich oder einmalig – sollte immer die Kosten, Rendite und Anlagedauer im Blick behalten. Bausparverträge laufen oft mindestens 7 Jahre oder länger. Wenn man etwaige Abschlusskosten und Inflation berücksichtigt, sind bei einem Bausparvertrag in der Regel nach 15 Jahren nicht einmal die einbezahlten Beiträge erwirtschaftet. Der Bausparvertrag verliert jedes Jahr an Wert.

Langfristig ist ein Fonds-Depot-Konto für Studierende das Sinnvollste, weil man hier, wegen des langen Anlagehorizonts, wenig Geld einsetzen muss, um ein Vermögen zu erwirtschaften. Aber auch bei einem mittelfristigen Anlagehorizont (3 – 5 Jahre) ist man bei einem konservativen Fonds-Depot besser aufgehoben, als bei einem Bausparvertrag. Grundsätzlich gilt, je länger man Zeit hat, desto weniger Geld braucht man. Hier ist auch der Schnäppchen-Effekt entscheidend. Hier kann man ausrechnen, was aus monatlichen oder einmaligen Investitionen wird.

Einzelnachweise

ARD Plus Minus 2013.

Fetscher, S. Hilfe – wir sparen uns arm! FBV 2019.