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Mehrere Wohnhäuser stehen in einer angenehmen Wohngegend.
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Ist Bausparen für Beamte sinnvoll?

Christian
21.02.2020
ca. 8 Min. Lesezeit

Das Wesentliche zusammengefasst

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Glücksspielautomat bei dem man drei gleiche Zeichen erspielen muss, auf dem Automaten steht Bausparvertrag mit einigen Münzen und einem Haus. Auf den Scheiben sieht man drei gleiche Zeichen auf deren steht: niedriger Zins.
Man zahlt mehr ein, als man rausbekommt.

Ein Bausparvertrag besteht grundsätzlich aus drei Phasen: der Ansparphase, der Zuteilungsphase und der Darlehensphase. Die Ansparphase ist die Zeit, in welcher der Bausparkunde in den Bausparvertrag einzahlen muss. Während dieser Zeit bekommt der Kunde einen vor Abschluss festgelegten niedrigen Zins auf das eingezahlte Kapital. In der Zuteilungsphase kann der Bausparer entscheiden, ob das angestrebte Darlehen in Anspruch genommen wird oder nicht bzw. wann das Darlehen in Anspruch genommen wird. Während der Darlehensphase wird das Darlehen ausbezahlt. Der Kunde zahlt dann einen vor Abschluss festgelegten Tilgungssatz für das Darlehen.

Die wichtigste Kennzahl des Vertrages ist die Bausparsumme, die sich aus dem oben genannten Sparteil und dem Darlehensteil zusammensetzt. Die Sparer zahlen oft 50 % der vereinbarten Bausparsumme ein. Wenn man zum Beispiel einen Bausparvertrag von 100.000 € hat, muss man 50.000 € selbst einbezahlen und bekommt dann ein Darlehen von 50.000 € von der Bausparkasse.

Ansparphase

Sobald ein Bausparvertrag abgeschlossen wurde, beginnt die Sparphase. Das heißt der Bausparer muss in den Vertrag einzahlen, bis er die vorab geregelte Mindestsparsumme erreicht hat. Auf die Sparrate gibt es einen vorher festgesetzten Zins. Hierbei muss man erwähnen, dass jeder Bausparvertrag erst einmal im Negativbereich beginnt, da ab dem ersten Euro die sehr hohen Abschlussprovisionen vom Sparbeitrag abgezogen werden.

Zuteilungsphase

In dieser Phase ist der Bausparvertrag zuteilungsreif. Das heißt, die nötigen Einzahlungen sind alle vom Bausparer geleistet worden und der Vertrag hat seine Mindestlaufzeit erfüllt. Diese Mindestlaufzeiten sind von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich.

Der Kunde kann dann entscheiden, ob er das Darlehen von der Bausparkasse annimmt oder dieses vertagt, also erst zu einem späteren Zeitpunkt in Anspruch nimmt. Man kann den Bausparvertrag auch auflösen und das angesparte Geld zurückverlangen. In so einem Fall verfällt der Anspruch auf das Darlehen für immer.

Darlehensphase

Wenn das bestimmte Mindestguthaben angespart ist, erhalten die Bausparer die Bausparsumme ausgezahlt, die sich aus ihrem Guthaben und einem zusätzlichen Darlehen zusammensetzt. In der Darlehensphase wird dieses Darlehen vom Bausparer zurückgezahlt.

Bis zum Jahr 2016 musste man bei bestimmten Bausparkassen eine Darlehensgebühr zahlen, also eine Gebühr für die Auszahlung des Bausparlehens. Der Bundesgerichtshof erklärte diese Gebühr aber im Jahr 2016 als verfassungswidrig.

Das Darlehen darf aber nur für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden.

Was sind wohnwirtschaftliche Zwecke beim Bausparen?

Das Darlehen eines Bausparvertrages wird nur auf das Konto des Bausparers überwiesen, wenn dieser Kredit für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet wird. Das heißt, das Geld muss für Zwecke verwendet werden, welche in Bezug zu Immobilien stehen.

Wohnwirtschaftliche Zwecke
Kauf einer Immobilie oder Wohnung
Tilgung von Immobilienkrediten
Kauf von Inneneinrichtung
Renovierung von Immobilien

Während der Darlehensphase muss der Bausparkunde das Darlehen tilgen. Der Zinssatz wird vor Abschluss des Bausparvertrages vereinbart, genauso wie der Zins in der Sparphase.

Vermögenswirksame Leistungen für Beamte

Fred sitzt in seinem Garten auf einem Sonnenstuhl und liest dabei die Zeitung. Links daneben steht ein Schredder mit der Beschriftung 'BSV', in dessen Trichter Geldscheine hineinfliegen. Am Ende dieser Maschine kommen die Scheine geschreddert wieder heraus. Es hat sich bereits ein Haufen an kaputtem Geld gesammelt.
VL in einem Bausparvertrag ist Geldvernichtung.

Ist Bausparen für Beamte sinnvoll? – Man kann vermögenswirksame Leistungen als zusätzliches Geld vom Dienstherren verstehen, maximal 40 € im Monat. Beamte haben Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen. Bei Beamten werden 6,65 € vom monatlichen Gehalt abgezogen und werden gespart (von Bundesland zu Bundesland allerdings unterschiedlich). Wenn der Staat nicht die vollen 40 € in den Vertrag zahlt, kann man die Differenz privat aufstocken. Die Förderung vom Staat wird am Ende der sieben Jahre vom Finanzamt in den Vertrag eingezahlt.

Arbeitnehmersparzulage für Beamte

Die Arbeitnehmersparzulage ist eine staatlich gewährte Subvention zur Vermögensbildung der Arbeitnehmer bzw. Beamten. Sie ist eine staatliche Förderung für vermögenswirksame Leistungen, also Geldleistungen, die der Dienstherr für den Beamten mit geringem Einkommen anlegt. Die Arbeitnehmersparzulage wird bei Beamten in den meisten Fällen nicht gewährt, da Beamte meistens mehr als 17.900,00 € (bei Singles) bzw. 38.500 € (bei Ehepaaren) pro Jahr verdienen.

Abschlussgebühren (Bauspar-Entgelte)

Ein Mann steht bei einer Bausparkasse und sieht verärgert aus, der Mann am Schalter ist glücklich mit Geldstapel.
Die Gebühren eines Bausparvertrages sind viel zu hoch.

Ist Bausparen für Beamte sinnvoll? – Die Abschlussgebühren bei Bausparverträgen sind sehr hoch und sind bei allen Anbietern sehr ähnlich. Sie liegen in der Regel bei 1 % der Bausparsumme. Wenn man also einen Bausparvertrag abschließt mit einer Bausparsumme von 100.000 €, erhält der Vertreter der Bausparkasse 1.000 € Provision. Diese Abschlussprovisionen werden am Anfang des Bausparvertrages automatisch vom Sparbeitrag des Kunden abgezogen.

Die hohen Abschlussgebühren in Kombination mit der schlechten Verzinsung der Bausparverträge unterhalb der Inflation, führt in vielen Fällen dazu, dass der Bausparer nach 15 Jahren nicht einmal die einbezahlten Beiträge als Guthaben im Vertrag hat. Bausparverträge ohne Abschlussgebühren sind nicht bekannt.

Bis zum Jahr 2016 musste man bei bestimmten Bausparkassen eine Darlehensgebühr bezahlen, also eine Gebühr für die Auszahlung des Bauspardarlehens. Der Bundesgerichtshof erklärte diese Gebühr aber im Jahr 2016 als verfassungswidrig. Kunden können bereits gezahlte Darlehensgebühren aus den Jahren 2013 bis 2016 zurückverlangen.

Ist ein Bausparvertrag für Beamte sinnvoll?

Reiner Redlich
Reiner Redlich ist Beamter.

Reiner Redlich ist Beamter.

Ein oft verwendetes Verkaufsargument von Bausparkassen für einen Bausparvertrag für Beamtenanwärter und Beamte ist die staatlich gewährte Wohnungsbauprämie. Wir rechnen nach, ob dieses Argument wirklich stimmt:

Ein Beamtenanwärter schließt einen Bausparvertrag ab, mit dem Ziel, in 15 Jahren ein Haus zu bauen. Es werden jedes Jahr 512 € einbezahlt, um die volle Wohnungsbauförderung von 45,06 € pro Jahr zu erhalten. Es werden also jedes Jahr rund 557 € in den Bausparvertrag einbezahlt (eigenes Geld + Wohnungsbauprämie). Der Bausparvertrag hat einen Guthabenzins von 0,5 % pro Jahr.

Gegenübergestellt ist ein konservatives bis moderates Fonds-Depot mit einer jährlichen Rendite von 6 % pro Jahr. Auf diesen Vertrag erhält der Beamte keine Wohnungsbauprämie. Das Fonds-Depot-Konto läuft ebenfalls 15 Jahre. Es werden ebenfalls monatlich 43 € eingezahlt.

Bausparvertrag 0,5 % Zins pro JahrFonds-Depot-Konto 6 % Rendite pro Jahr
Montliche Eigenleistung43 €43 €
Wohnungsbauprämie pro Jahr45,06 €entfällt
Nach 15 Jahren insgesamt eingezahlt8.415,00 €7.740,00 €
Nach 15 Jahren Guthaben8.740,00 €12.400,00 €

Wie das Rechenbeispiel zeigt, schlägt das konservative Fonds-Depot den Bausparvertrag um Längen – trotz fehlender staatlicher Förderung. Dazu kommt noch, dass es eine Verzinsung von 0,5 % pro Jahr bei Neuabschlüssen heutzutage nicht mehr gibt. Die hohen Abschlussgebühren eines Bausparvertrages sind hier noch nicht mit einberechnet.

Laut Verbraucherschutz-Organisationen sind die Wohnungsbauprämie und Bausparverträge nur eine versteckte Subvention der Bausparindustrie. Die Wohnungsbauprämie gekoppelt mit Bausparverträgen war und ist ein Minusgeschäft für den Kunden.

Darum macht Bausparen für Beamte keinen Sinn

Susi steht mitten in einem Geldregen.
Der Beamtenstatus ist eines der besten Kriterien, ein günstiges Darlehen bei der Bank zu bekommen.

Ist Bausparen für Beamte sinnvoll? – Der Beamtenstatus ist eines der höchsten Sicherheitskriterien, um bei Banken attraktive Darlehen zu erhalten. Beamte haben ein sicheres, vom Staat gewährtes Einkommen und sie genießen zudem einen besonderen Kündigungsschutz. Aus diesem Grund bekommen Beamte oftmals sehr gute Konditionen für ein normales Bankdarlehen. Bausparkassen argumentieren, dass man sich günstige Konditionen für Darlehen in der Zukunft jetzt sichern kann. Die Konditionen für Darlehen waren aber noch nie so günstig wie heute und sie werden immer besser. Die Zinsen im Euro-Raum werden auf sehr lange Sicht nicht merklich steigen können. Daher ist es absurd, sich jetzt ein günstiges Darlehen zu sichern, obwohl man weiß, dass die Bauzinsen voraussichtlich nicht mehr merklich steigen werden. Bausparen ist eine der teuersten Art eine Immobilie zu finanzieren!

Praxistipp für Beamte und Anwärter

Wer als Beamter oder Beamtenanwärter einen Kredit für ein Eigenheim benötigt, bekommt dies aufgrund des Beamtenstatus viel günstiger, entweder online oder über einen unabhängigen Baufinanzierer, als das Bauspardarlehen. Die Argumente der Bausparkassen, sich jetzt einen günstigen Zins für die Zukunft zu sichern ist absurd – die Zinsen in der Eurozone können gar nicht mehr merklich steigen. Wenn dies passiert, ist unsere Währung Geschichte.

Eine Altersvorsorge über einen Bausparvertrag aufzubauen, also langfristig Geld anzulegen, ist reine Geldvernichtung. Die hohen Abschlusskosten sowie Intransparenz und schlechte Zinsen sind nur drei Gründe dafür, warum das Geld in einem Bausparvertrag nach Inflation immer weniger wird. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, eröffnet ein kostengünstiges Fonds-Depot-Konto bei einer Depotbank und spart monatlich in ein Fonds- und ETF-Portfolio ein. Durch die monatlichen Raten werden die Schwankungen am Kapitalmarkt gemindert, und man befindet sich langfristig über dem Inflationsniveau – somit wird wirklich Vermögensaufbau und Altersvorsorge betrieben.

Mehr zum Thema Alternativen zum Bausparvertrag.

Einzelnachweise

ARD Plus Minus, 2013

Fetscher, S., Hilfe – wir sparen uns arm! FBV 2019.

Top-finanz.de

Finanztip